Einsatz von Digitalkameras im Unterricht
Digitalkameras werden immer erschwinglicher: Kameras mit einer sehr guten
Auflösung (7 Megapixel; Tendenz steigend!) sind schon längere Zeit für unter €
200,- zu bekommen. Die Preistendenz ist - wie generell im Digitaltechnikbereich
- natürlich weiter fallend bzw. Sie bekommen in einem halben Jahr mehr Leistung
für das gleiche Geld.
Wie viele Pixel sollen es denn sein?
Ein Pixel ist der kleinste darstellbare Farbpunkt eines Bildes; je mehr davon
also ein Bild auflösen, umso schärfer ist es. - Richtig?
Ja und nein! Wichtige Faktoren sind z.B. die Größe des eingebauten Sensors,
der die Lichtimpulse digitalisiert sowie natürlich ganz entscheidend auch das
verwendete Objektiv. Es hängt davon ab, wie es mit dem Bild weiter gehen soll, denn
für das menschliche Auge reichen bei einem Ausdruck in Postkartengröße (10 x 15
cm) 3 Megapixel, also 3 Millionen Pixel, völlig aus, um einen fotorealistischen
Eindruck zu machen. Mit anderen Worten, wenn man "nur" Fotos im
Postkartenformat machen möchte,
wirken die Bilder einer 7 Megapixelkamera nicht unbedingt schärfer als die einer 3
Megapixel-Kamera.
Warum bieten dann aber Kamerahersteller eine noch höhere Auflösung an?
1. Für Vergrößerungen über Postkartenformat hinaus.
2. Wenn man aus einem Bild nachträglich einen Ausschnitt wählen möchte hat man
im Fall einer hochauflösenden Kamera mehr Reserven für die scharfe Darstellung
eben solcher Ausschnitte.
Wenn man die digitalen Fotos vergrößern möchte, dann schafft eine Kamera mit
5 Megapixel Auflösung lässig DIN A 4, während dann eine ältere Kamera mit 2 Millionen
Pixel schon deutlich "pixelig" wirkt, das heißt, man sieht schon die Rasterung
durch die einzelnen Bildpunkte.
Eigenschaften von Digitalkameras, die sie für den Unterricht interessant
machen:
- Sofortige Kontrolle über die Qualität der Bilder (Helligkeit, Schärfe,
Kontrast etc.).
- Sofortige Verfügbarkeit (Möglichkeit zum Ausdruck, Weitergabe an Presse,
Präsentation über Computer- oder auch Fernsehbildschirm bzw. einen Beamer
etc.).
- Möglichkeit der unmittelbaren Weiterverarbeitung der Bilder.
- Sie sind im weiteren Einsatz in der Regel preiswerter als herkömmliche
Kameras:
a) Die Bilder müssen nicht ausgedruckt werden, sondern können zu Hunderten
auf einer einzigen CD-ROM gebrannt werden. Oder man speichert sie nur bis zum
Abschluss eines Projekts auf der Festplatte; am Schuljahresende werden sie
gelöscht.
b)
"Fehlschüsse" (unterbelichtet, unscharf, falscher Bildausschnitt
etc.) gehen nicht ins Geld, sie werden einfach gelöscht.
Einsatzmöglichkeiten im Unterricht:
Wegen dieser Eigenschaften kann also eine Digitalkamera unkompliziert (und
preiswert) zum Beispiel für folgende Zwecke eingesetzt werden:
- Der tragbare "Mini-Scanner"
Eine Digitalkamera kann als Ersatz für einen Scanner dienen, wenn es z.B.
darum geht, in der Schulbibliothek (oder auch dem Stadtarchiv) Dokumente
oder Grafiken zu digitalisieren. Wichtig ist in diesem Fall eine gute
Makrofunktion, damit man ggf. nahe genug an das Motiv herangehen kann. Da hier
natürlich die Verwackelungsgefahr größer ist als bei weit entfernten Motiven,
empfiehlt sich die Verwendung eines Stativs.
- Schnelle Multimedia-Produktionen für Kreativität im Klassenzimmer
Ebenso ist es sehr hilfreich, wenn man mit einer Digitalkamera Ergebnisse
von Einzel- oder Gruppenarbeiten dokumentieren kann, um sie in einer anderen
Stunde im Computerraum weiter zu bearbeiten. Der Vorteil besteht hier ganz
einfach in der Tatsache, dass wegen ein paar Scans nicht das Klassenzimmer
verlassen werden muss, denn die Computerräume sind in der Regel nicht
gerade sehr einladend für Gruppenarbeiten eingerichtet. Zum anderen wird
der Computerraum nicht unnötig blockiert.
- Zeichnungen und Skizzen für Arbeitsblätter oder Präsentationen
Die Schüler können von ihren eigenen Skizzen oder auch vom Tafelbild des
Lehrers Fotos anfertigen und in der nächsten Stunde im Computerraum dazu
verwenden, ein sauberes Arbeitsblatt oder eine Computerpräsentation (z.B.
mit Microsoft POWERPOINT) anzufertigen.
- Illustrationen für Kurzgeschichten, Bibeltexte, Songs
Es ist für Schüler sehr motivierend, für eine Geschichte (eine
Bibelperikope, einen Songtext etc.) Illustrationen
anzufertigen, die mit Hilfe der Kamera dann in ein
"personalisiertes" Arbeitsblatt verarbeitet werden können. Dies
können zum einen künstlerische Produktionen sein (Zeichnungen, Collagen)
oder auch abfotografierte Rollenspiele in der Klasse oder auf dem
Schulgelände. Diese Fotos könnten dann wiederum mit der Sprechblasenfunktion
von WORD "professionell" weiter bearbeitet und in den
behandelten Text integriert werden.
- Spurensuche
Auftrag: Gehe mit deiner Digitalkamera auf Spurensuche in deinem
Heimatort. Finde und fotografiere so viele Spuren von Christentum wie möglich!
- Illustrationen für Übungen im kreativen Schreiben
Die Steigerung der letztgenannten Einsatzmöglichkeit besteht nun darin,
dass die Schüler auch den zu illustrierenden Text selbst schreiben, also
z.B.
- ein in die Gegenwart transformierter Bibeltext,
- eine Parodie auf ein Lied,
- einen fiktiven Tagebucheintrag einer biblischen Figur,
- ein in eine andere Textgattung umgeschriebener Bibeltext.
- Der Foto-Sitzplan
Von einem Kollegen stammt folgende Idee: Er fotografiert alle seine Klassen am
Schuljahresbeginn ab, druckt dieses Foto auf einem Farbdrucker zu Hause
großformatig aus, lässt es dann in der nächsten Stunde zusammen mit einem
wasserfesten Folienstift durch die Klasse gehen, mit der Aufforderung, jeder
Schüler solle unter sein Gesicht seinen Namen schreiben. - Voilà, der
Foto-Sitzplan!
S. Schuhbeck |